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Abschluß

I.

Fahre wohl! Des Himmels volle
Ernte trage dein Gefild,
Unbefleckt aus meinem Grolle
Rett' ich dein vergöttert Bild.
Ob, mir nie mehr zu begegnen,
Du dich kalt jetzt von mir trennst,
Meine Lippe wird dich segnen, -
Jene Lippe, die du kennst.

Alles Hadern meines Zornes,
Alles Lodern ward gedämpft
Durch den Tau des reinsten Bornes
Und der letzte Kampf gekämpft:
Und ich suche die Juwele,
Drinnen du als Flamme brennst
Aus den Trümmern meiner Seele, -
Jener Seele, die du kennst.

Fahre wohl und kreuze nimmer
Meiner Zukunft öde Bahn,
Denn dein Lächeln flöh' auf immer,
Sähest du, was du getan.
Flüsternd längst verscholl'ne Worte,
Die du kaum noch träumend nennst,
Wank' ich einsam nach dem Orte
Einst'gen Glückes, den du kennst.

Nimmer sollst du mehr sie hören,
Nie erschein' ich mehr vor dir,
Dein Vergessen je zu stören,
Ferne sei und bleib' es mir.
Selbst im Traum nah ich dir nimmer
Blutlos-bleichen Grams Gespenst,
Nein, umblüht vom ganzen Schimmer
Jener Liebe, die du kennst!

II.

Der Kampf ist aus. Jetzt himmelan, o Herz,
Und schleud're erdwärts deines Jammers Bürde!
Die Träne schärfte nur das Opferherz,
Und schleift' im Staub den Purpur unsrer Würde.

Ich rechte nicht. Der Opf'rer ist ja blind,
Und stumm mußt den Blutzehnten du ihm sollen, -
Ich weiß nur, daß von allen, die da sind,
Wir beide nie uns hätten treffen sollen!

Fahr' wohl denn, du, dereinst von mir gegrüßt,
Wie neugeschenktes Licht begrüßt der Blinde,
Wie einem Quell in Steppen heiß und wüst
Entgegen flieht die pfeilgetroff'ne Hinde.

Unglück, der sonst allmächt'ge König, soll
Machtloser Sklav' von deiner Schwelle kehren,
Des Lebens Becher, ew'ger Jugend voll,
Du sollst ihn ganz und ohne Hefe leeren!

Wär' Allmacht mein, mir wär' sie nur genehm,
Um göttergleich dein Schicksal zu vollenden:
Ein Dante-Herz, der Indien Diadem,
Ich würde lächelnd sie an dich verschwenden.

Ein kühnes Wort, - und dünkt es andern hohl,
Dir darf kein Spott darob den Mund umbeben,
Dir nicht, dir nicht! Du weißt ja nur zu wohl,
Was ich in Wirklichkeit um dich gegeben.

Fahr' wohl! Nachtfrieden wiegt den weiten Raum,
Und tausend Schlummer pred'gen rings "Versöhnen":
Der Kampf ist aus, jetzt mag auch deinen Traum,
Wie Osterglocken mein Gesang durchtönen!
Text: Udo Brachvogel - Lizenz: Public Domain