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Des armen Suschens Traum

Ich träumte, wie um Mitternacht
Mein Falscher mir erschien.
Fast schwür' ich, daß ich hell gewacht,
So hell erblickt' ich ihn.

Er zog den Treuring von der Hand,
Und ach! zerbrach ihn mir.
Ein wasserhelles Perlenband
War er mir hin dafür.

Drauf ging ich wohl an's Gartenbeet,
Zu schaun mein Myrtenreis,
Das ich zum Kränzchen pflanzen thät,
Und pflegen thät mit Fleiß.

Da riß entzwei mein Perlenband,
Und eh' ich's mich versah,
Entrollten all' in Erd' und Sand,
Und keine war mehr da.

Ich sucht' und sucht' in Angst und Schweiß,
Umsonst, umsonst! Da schien
Verwandelt mein geliebtes Reis
In dunklen Rosmarin.

Erfüllt ist längst das Nachtgesicht,
Ach! längst erfüllt genau.
Das Traumbuch frag' ich weiter nicht,
Und keine weise Frau.

Nun brich, o Herz, der Ring ist hin!
Die Perlen sind geweint!
Statt Myrt' erwuchs dir Rosmarin!
Der Traum hat Tod gemeint.

Brich, armes Herz! Zur Todtenkron'
Erwuchs dir Rosmarin.
Verweint sind deine Perlen schon,
Der Ring, der Ring ist hin!
Text: Gottfried August Bürger - Lizenz: Public Domain