Menü Lust am Liebchen
Wie selig, wer sein Liebchen hat,
Wie selig lebt der Mann!
Er lebt, wie in der Kaiserstadt
Kein Graf und Fürst es kann.

Er achtet seiner Seligkeit
Kein Gut auf Erden gleich.
Er dünkt, verarmt bis auf den Deut,
Sich dennoch Krösusreich.

Die Welt mag laufen oder stehn;
Und Alles mag rund um
Kopf unten oder oben gehn!
Was kümmert er sich drumm?

Hui, singt er, hui! wer macht aus Wind,
Wer sich aus Regen was?
Nur wehn und wehen kann der Wind,
Und Regen macht nur naß.

Durch seine Adern kreiset frisch
Und ungehemmt sein Blut.
Gesunder ist er als ein Fisch
In seiner klaren Fluth.

Ihm schmeckt sein Mahl; er schlummert süß
Bei federleichtem Sinn,
Und träumt sich in ein Paradies
Mit seiner Eva hin.

In Götterfreuden schwimmt der Mann,
Die kein Gedanke mißt,
Der singen oder sagen kann,
Daß ihn sein Liebchen küßt. -

Doch, ach! was sing' ich in den Wind,
Und habe selber keins?
O Evchen, Evchen, komm' geschwind,
O komm' und werde meins!
Text: Gottfried August Bürger - Lizenz: Public Domain