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Der Winter hat mit kalter Hand
Die Pappel abgelaubt,
Und hat das grüne Maigewand
Der armen Flur geraubt;
Hat Blümchen, blau und roth und weiß,
Begraben unter Schnee und Eis.

Doch, liebe Blümchen, hoffet nicht
Von mir ein Sterbelied.
Ich weiß ein holdes Angesicht,
Wo Schönheit euch erzieht.
Blau ist des Augensternes Rund,
Die Stirne weiß und roth der Mund.

Was kümmert Amsel mich im Thal,
Was Nachtigall im Hain?
Denn Molly trillert hundertmal
So hell und silberrein.
Ihr Athem ist wie Frühlingsluft,
Erüllt mit Hyacinthenduft.

Wann mich ihr Purpurmund begabt,
Ach, welch ein Wohlgenuß!
Die Erdbeer' und die Kirsche labt
Nicht süßer, als ihr Kuß. -
O Mai, was frag ich viel nach dir,
Der Frühling lebt und webt in ihr.
Text: Gottfried August Bürger - Lizenz: Public Domain