Menü Am Grenzwall
Ein Römer stand in finstrer Nacht
Am deutschen Grenzwall Posten,
Fern vom Kastell war seine Wacht,
Das Antlitz gegen Osten ...
Da regt sich feindlich 'was am Fluß,
Da schleicht und hallt 'was leise ...
Kein Paean von Horazius,
Ganz wildfremd war die Weise:
"Ha' .. hamm' .. hammer dich emol, emol, emol
An dei'm verrissene' Kamisol,
Du schlechter Kerl!"

An eine Jungfrau Chattenstamms
Hatt' er sein Herz vertandelt
Und war ihr oft im Lederwams
Als Kaufmann zugewandelt.
Jetzt kam die Rache ... eins, zwei, drei!
Jetzt war der Damm erklettert ...
Jetzt kam's wie wilder Katzen Schrei
Und Keulenschlag geschmettert:
"Ha' .. hamm' .. hammer dich emol, emol, emol
An dei'm verrissene' Kamisol,
Du schlechter Kerl!"

Er zog sein Schwert, er blies sein Horn,
Focht als geschulter Krieger,
Fruchtlos war Mut und Römerzorn,
Die Wilden blieben Sieger.
Sie banden ihn und trugen ihn
Wie einen Sack von dannen;
Als die Kohort' am Platz erschien,
Scholls fern schon durch die Tannen:
"Ha' .. hamm .. hammer dich emol, emol, emol
An dei'm verrissene Kamisol,
Du schlechter Kerl!"

Versammelt war im heiligen Hain
Der Chatten Landsgemeinde,
Ihr Odinsjulfest einzuweih'n
Mit Opferblut vom Feinde.
Der fühlt sich schon als Bratenschmor
In der Barbaren Zähnen,
Da sprang sein blonder Schatz hervor
Und rief mit heißen Tränen:
"Ha' .. hamm' .. hammer dich emol, emol, emol
An dei'm verissene' Kamisol,
Du schlechter Kerl!"

Und alles Volk sprach tiefgerührt
Ob solcher Wiederfindung:
"Man geb' ihn frei und losgeschnürt
Der Freundin zur Verbindung!
Nimmt sie ihn hier vom Fleck als Frau,
Sei alle Schuld verziehen.
Und heut noch wird im ganzen Gau
Als Festbardit geschrien:
"Ha' .. hamm' .. hammer dich emol, emol, emol
An dei'm verrissene' Kamisol,
Du schlechter Kerl!"
Text: Victor von Scheffel - Lizenz: Public Domain