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Straßenbau im Altertum

Nicht zu allen Zeiten wurde der Straßenbau gefördert. Im Laufe der Geschichte gab es viele Gründe, Straßen zu bauen oder zu vergessen.

Ebenso hat sich der Straßenbau in den verschiedenen gegenden der Welt recht unterschiedlich weiterentwickelt. Sowohl die Bautechniken als auch die Gründe für den Straßenbau unteschieden sich beträchtlich.

Hier versuche ich einen kurzen Überblick über die Gründe und Entwicklung des Straßenbaus im Laufe der Geschichte zu geben. Natürlich kann ich hier nicht alle Details beleuchten, aber ich hoffe dennoch, einen Überblick über dieses Thema geben zu können.

Die Steinzeit

Die älteste Straße, welche heute noch erhalten ist, ist der 'Sweet Track' bei Glanstonbury im Süden Englands.
Die bereits 3300 v. Chr. gebaute Straße war nur für Fußgänger geeignet. Die ca. 2 km lange Straße verband ein Dorf mit einer Insel. Dabei führte sie durch sumpfiges Gelände (diesem Umstand haben wir den guten Erhaltungsstand der Straße zu verdanken).
Die Straße war folgendermaßen aufgebaut: Als Untergrund wurde eine Reihe aus Baumstämmen längs der Wegrichtung gelegt. Jeden Meter wurden jeweils zwei dicke Stöcke qeur über den Baumstamm gelegt, so das diese Stöcke ein X bildeten. Die unteren Enden der Stöcke wurden in den Boden gerammt, so das sie einen guten Halt hatten. Von oben wurden dann Planken in die Mitte vom X gelegt. Diese Blanken bildeten den eigendlichen Gehweg.

Die üblichste Straßenart für ausgebaute Straßen war in der Steinzeit der Knüppeldamm.
Bei dieser Straßenart wurde eine dünne schicht Erde abgetragen, um einen glatten Untergrund zu erhalten. Dann wurden Baumstämme quer zur Wegrichtung aneinander gelegt. Wenn der Untergrund nicht fest genug war, wurden unter dem Weg Stämme längs zur Wegrichtung verlegt, um der Straße mehr Stabilität zu verschaffen.

Natürlich gab es auch viele nicht befestigte Wege. Ebenso gab es auch mit dünnen Ästen belegte Straßen.

Langsam entstand aus den einzelnen Wegen ein großes Straßennetz, welches vor allem den Handel förderte. Um 2000 v. Chr. gab es bereits in ganz Europa größere Handelsstraßen. Auf ihnen wurden vor allem Feuersteine, Bernstein, Salz und Blei transportiert.

Die Bronzezeit

Die aus der Steinzeit stammenden Handelswege schlossen sich zu einem immer größerem Handelsnetz zusammen. Die langen zusammenhängenden Knüppeldämme wurden in Ost- und Mitteleuropa Bernsteinstraßen genannt. Kurze Wegstrecken der aus Eichen bestehenden Knüppeldämme sind noch heute erhalten.
So führte z.B. 1500 v. Chr. eine Bernsteinstraße vom heutigen Hamburg über den Brenner zum heutigen Venedig. Andere folgten den osteuropäischen Flüssen oder verliefen durch ganz Westeuropa.

Diese Entwicklung wurde vor allem von reichen Händlern und Herrschern unterstützt. Durch den Wert und der leichten Transportierbarkeit der Bronze konnten einzelne Menschen schnell und viel Reichtum anhäufen. Für die Siedlungen war es nun von Bedeutung sich an gut und schnell begehbaren Wegen zu befinden, da durch diese die Bedeutung und der Reichtum der Siedlung wachsen konnte.

Oft hatten Straßen für die Leute etwas magisches an sich. So glaubte man z.B. im Osteuropa, Vampire würden sich vor allem an Straßenkreuzungen aufhalten. Aus diesem Grund wurden Selbstmordopfer mit durchstochenem Herz (das sollte das Wiederauferstehen als Vampir verhindern) an Kreuzungen begraben.

Die Griechen

Der Haupttransportweg für die Griechen war das Meer. Daher waren nur die wenigsten Straßen für Fahrzeuge ausgelegt.

Als ca. 1200 v. Chr. der Höhepunkt des Straßennetzes der alten Griechen erreicht war, gab es dennoch viele für Fahrzeuge geeignete Straßen. Diese wurden in Form von Spurstraßen erbaut. Bei dieser heute nicht mehr genutzten Straßenform werden die Fahrzeuge ähnlich wie bei Schienen an der Straße gehalten.

Bei diesen Spurstraßen waren vor allem in Kurven und an Abhängen absichtlich Fahrrillen in den Stein gehauen, damit die Wagen in der Spur blieben. Damals hatten die Fahrzeuge alle den selben Radabstand und waren nicht lenkbar. Der Spurabstand bei den Griechischen Straßen betrug 1,3 m. Die Spuren waren 25 cm tief und 6 cm breit. Die Straßen waren (bis auf die Strecke von Athen zu den Pentelikon-Steinbrüchen) nur einspurig. Gegenverkehr konnte daher ein echtes Problem sein....

Die Griechen glaubten an eine religiöse Bedeutung der Straßen. Deshalb waren an den Straßen Altäre des Götterboten Hermes aufgebaut, auf welche die Reisenden heiliges Öl gossen. Gräber befanden sich ebenfalls meist direkt an einer Straße.

Kreuzungen hatten für die Griechen etwas unheimliches an sich. Sie glaubten, nachts würden Geister und Höllenhunde auf den Kreuzungen tanzen und ausschau nach Seelen halten, welche sie mit sich nehmen könnten. Deshalb opferten die Griechen am Ende jeden Monats Speisen und Tiere an bestimmten Kreuzungen.

Die Römer

Da die Römerzeit sehr lange dauerte und viele Wandlungen durchmachte, passt die folgende Beschreibung nicht auf die gesamte Römerzeit. Jedoch für die längste Zeit des römischen Reiches dürfte die Darstellung korrekt sein.

Die römischen Straßen wurden vor allem aus militärischen Gründen gebaut. Geplant wurden die Straßen vom Staat, für die Erbauung und den Erhalt war die Armee zuständig. Die Straßen wurden jedoch meistens nicht durch Soldaten erbaut und gepflegt sondern durch Sklaven und Sträflinge.

Bei einer typischen Römerstraße war ein 60m breiter Streifen gerodet und von Unterholz befreit. Dadurch konnten die Armeen auf der Straße nicht in einen Hinterhalt geraten. In der Mitte des gerodeten Streifens wurde ein 15m breiter und 1 hoher Wall erstellt. Das Material aus welchem der Wall erstellt wurde kam aus Gräben die längs dem Wall ausgehoben wurden. Diese Gräben dienten der Entwässerung. Dadurch war der Straße immer sehr drocken und leicht zu verteidigen.

Der Straßenbelag selbst war recht aufwändig und bestand aus mehreren schichten. Über dem Erddamm kam erst eine ca. 50 cm dicke schicht aus sorgfältig gelegten großen Steinen. Darüber kam eine dünne Schicht aus kleinen Steinen. Diese wurden mit Zement oder Mörtel vermengt. Darüber eine gleichartige Schicht mit noch kleineren Steinen. Diese wurden meist aus zerbrochenen Ziegeln erzeugt. Die abschließende Schicht war die eigendliche Straßendecke. Diese bestand aus sechseckigen ca. 60 cm breiten Steinen, die sehr sorgfältig aneinander gelegt wurden. Dieser Straßenbelag war immer mindestens 5 m breit, so das darauf zwei Fahrzeuge aneinander vorbei kommen konnten.

In Kurven wurden die Straßen breiter gebaut, da die schweren römischen Wagen zwei starre Achsen hatten und sich sehr schwer lenken ließen. So weit wie möglich wurde auf Kurven ganz verzichtet. Wenn sie wirklich notwendig waren, lagen sie meistens auf Hügelkuppen. So war von der Kreuzung aus eine weite Strecke des Weges zu übersehen. Dies war vor allem von strategischer Bedeutung.
In Bergstrecken und auf anderem unwegsamen Gelände waren die Straßenanlagen schmaler. Die Straße selbst blieb jedoch immer mindestens 5 m Breit. Die Steigung war dabei nie größer als 15 %.

Die römischen Straßen waren sehr Stabil und leicht zu warten. Die Straßendecke selbst, welche aus den sechseckigen Steinen bestand, mußte zwar regelmäßig gewartet werden, größere Reparaturarbeiten wurden jedoch erst nach mehr als 100 Jahren notwendig.

Finanziert wurden die Straßen durch den Staat. Später wurden die Kosten den Bürgern berechnet. Als es deswegen immer wieder Probleme gab, wurde in den jeweiligen Provinzen eine Straßensteuer eingeführt, welche jedoch sehr unbeliebt war. Durch diese Steuer und staatliche Subventionen wurden die Straßen lange Zeit finanziert.

Die Germanen

Die Germanen hatten keinen Gebrauch für die Straßen. Die Abneigung der Germanen gegen die Straßen hatte folgende Gründe:
  • Es gab bei den Germanen weder größere Städte noch eine Zentralregierung. Deshalb wurden keine Straßen zu Verwaltungszwecken oder zwischenstädtischen Verkehr benötigt.
  • Die Reisenden waren meistens zu Fuß unterwegs. Festgetretener Boden war dabei angenehmer als festes Straßenpflaster. Die Benutzung von Fahrzeugen galt bei den Germanen als würdelos.
  • Es fehlte an Geld um die Straßen zu warten. Zudem führten die von den Römern eroberten Straßen über möglichst hochgelegenes Terrain. Die Dörfer der Germanen lagen aber in den Tälern. Deshalb lagen die Römerstraßen abseits der germanischen Verkehrswege.
  • Für die Germanen war eine der wichtigsten Verteidigungsstrategien, alle Durchgangsstraßen zu beseitigen. Dadurch wurde verhindert, das Plünderer oder feindliche Nachbarn zu einfach in die Gegend eindringen konnten.
Da die Straßen für die Germanen keine Bedeutung hatten, verfielen die alten Römerstraßen in Mittel- und Nordeuropa. In Grenzgebieten wurden sie absichtlich abgerissen und in Dorfnähe wurden die Steine aus den Straßen für den Hausbau benutzt.

Ein witziges Detail am Rande: Manche der Gebäude, welche die Germanen aus den Steinen der Römerstraßen erbauten, wurden in der frühen Neuzeit abgerissen um die Steine beim Straßenbau zu verwenden.

Die Inkas

Im 15. Jahrhundert waren Straßen bei den Inkas ein Zeichen der Macht und der Autorität des Staates. Deshalb wurde der Straßenbau stark vorangetrieben.

Die Inkas hatten keine Fahrzeuge. Deshalb mußten die Straßen nicht so flach und eben sein, wie z.B. in Europa. Die Straßen führten teilweise über Treppen und Hängebrücken.

Die Straßen waren zwischen 4 m und 16 m breit und nur in Ausnahmefällen (z.B. bei sehr schwierigem Gelände) nur 3 m breit.
Da die Straßen nicht befahren werden mußten, waren sie meist nicht gepflastert. Nur kurze Wegstrecken wurden mit Stein gepflastert, wenn die Wegstrecke gefährdet war, durch Regenwasser ausgespült zu werden. Streckenweise wurden am Wegesrand Entwässerungsgräben angelegt oder schattenspendende Bäume gepflanzt.

Die Bedeutenste Straße des Inkareiches war die 'Königsstraße'. Diese verlief von Santiago de Chile über Cuzsco nach Quito und war über 5600 km lang. In den Anden verlief die Straße durch über 3500 m hohe Pässe. Über die gesamte Wegstrecke waren Raststätten verteilt. Alle 20 km, bei schwierigen Wegstrecken auch schon nach 10 km war eine Solche Raststätte zu finden, in der sowohl eine Kurze Rast als auch das Übernachten möglich war.