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Der Teleport

Herr Hase wollte heute einen kleinen gemütlichen Einkaufsbummel machen. Er teleportete sich auf die Straße und von dort in die U-Bahn. Er fuhr ins Gewerbegebiet und wanderte dort zwischen den Geschäften umher.

Im Einkaufszentrum Kauffreuden entdeckte er den Teleport 'Miniweg'. Diesen neuartigen Teleporter mußte man sich nicht um den Bauch schnallen wie die älteren Modelle. Er war klein genug um im Portemonnaie Platz zu haben. Zudem brauchte man keine weiteren Teleports mehr für Auto, Fahrrad und Pferd. Ein einfacher Adapter genügte.
Somit war klar, Herr Hase mußte diesen Teleport einfach haben. Den alten Teleport, den er um den Gürtel geschnallt hatte, gab er in Zahlung. Den neuen Teleport steckte er ins Portemonnaie.
Dann teleportete sich Herr Hase auf die Straße, ging ein Stück am Park entlang bis er sich im Einzugsbereich der U-Bahn befand. Er griff zum Gürtel um sich in die U-Bahn zu teleporten, merkte seinen Fehler, griff zum Portemonnaie, nahm es aus der Tasche und ließ sich das Portemonnaie von einem vorbei rennenden Jugendlichen klauen.
Erst war Herr Hase völlig verblüfft, rief dem Dieb dann so Dinge wie 'Rabauke', 'Halbstarker' und 'Rocker' hinterher. Das waren die schlimmsten Flüche die Herr Hase kannte.
Als der Junge verschwunden war rief er 'Mein Miniweg ist weg' und 'Mein Teleport ist geklaut'. Als dies nichts bewirkte, ging er zur Polizei direkt um die Ecke. Der Teleport wurde als gestohlen gemeldet und konnte somit nicht mehr benutzt werden. Auf die Frage, wie er denn nach Hause käme, antwortete der Polizist, dies sei seine Sache und man könne ihm nicht dabei helfen.
Herr Hase würde zu Fuß nach Hause gehen müssen.

Ohje! So weit war Herr Hase noch nie gelaufen. Die meisten anderen Fußgänger die er unterwegs sah gingen nur ein paar hundert Meter um dann wieder zu verschwinden. Sie lösten sich vor seinen Augen auf. 'Ach haben die es gut', dachte Herr Hase: 'Ein Knopfdruck und sie sind im Haus, in der U-Bahn oder wo sie sonst hin wollen'. Etwa 200 m weit funktionierten die Teleports.
Was man mit sich herumtrug war eigentlich gar nicht der Teleport. Die Teleporte standen im Keller, auf dem Parkplatz oder in der U-Bahn. Was man mit sich herumtrug waren die Fernbedienungen. Wenn man damit ein Funksignal abgab, ortete einen der nächste mögliche Teleport und nicht mal eine Sekunde danach befand man sich in der Teleporter-Kammer. Wenn man sich von der Teleporter-Kammer aus teleportierte, dann stand man unmittelbar darauf irgendwo auf der Straße.
Ohne Geld konnte Herr Hase nicht einmal die U-Bahn benutzen, so durchwanderte er die halbe Stadt, bis er Zuhause ankam. Zumindest sein Haus konnte er von der Straße aus sehen.

Als Herr Hase sich das Haus 'Waltons Traum' gekauft hatte, achtete er auf jede Bequemlichkeit und allen Luxus den er sich leisten konnte. Doch an einem Zugang zur Straße hatte er nicht gedacht.
Sein Haus stand inmitten anderer kleiner Häuser und es gab keinen Weg dorthin. Nie hätte sich Herr Hase träumen lassen, einmal ohne Teleport unterwegs zu sein. Ein Wohnen ohne Straßenlärm war für ihn wichtiger als der Blick zur Straße.
Und jetzt hatte er deswegen ein Problem. Aber zu jedem Problem gibt es eine Lösung. Also kletterte er über den Zaun eines Nachbarn und ging auf sein Haus zu. Da öffnete sich ein Fenster des Nachbarhauses, eine ältere Frau schaute heraus und schrie: 'Was machen sie in meinem Garten? Sie Landstreicher! Verschwinden sie oder ich rufe die Polizei!'. Herr Hase erklärte ihr seine Lage. Sie schien verstanden zu haben, denn sie nickte nur und zog sich wieder in ihr Haus zurück.
Doch als Herr Hase gerade dabei war über den Zaun vor seinem Haus zu klettern, hörte ich hinter sich die Polizei. Kurz danach saß er im Polizeibüro. Er wurde wegen Hausfriedensbruch angeklagt, bekam die Auflage die Stadt nicht zu verlassen und durfte dann (nach 24 Stunden) wieder gehen.
Dann stand Herr Hase wieder auf der Straße. Ohne Paß, ohne Geld und vor allem ohne Teleport. Hätte er sein Haus doch nur direkt an der Straße gebaut...
Text: Christian Solar - Lizenz: Proprietaer