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SimCity im Unterricht

Folgender Erfahrungsbericht stammt von Dr. Thomas Friese welcher am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Ludwigsburg unterrichtet und wurde ursprünglich auf der Webseite des Landesinstituts für Schule und Weiterbidlung NRW ( https://www.learnline.schulministerium.nrw.de ) veröffentlicht. Ich danke dem Landesinstitut für Schule und Weiterbidlung NRW für die Erlaubnis den Text hier wiederzugeben.
Im Erdkunde-Unterricht setzte Dr. Thomas Friese mehrmals SimCity 2000 erfolgreich ein.

"Entwerfen Sie die stabile Stadt!" Erfahrungen und im praktischen Unterrichtseinsatz

In den ersten beiden Grundkursen wurde Sim City in einer Gruppenarbeit genutzt, da nur zwei PCs mit Windows95 zur Verfügung standen, 1998 zum ersten Mal im Kursverband auf 14 PCs. Die hier gewonnenen Unterrichtserfahrungen schlugen sich in jeweils präziseren Aufgabenstellungen nieder.
Ein grundlegendes Problem ist die vergleichsweise lange Einarbeitungszeit, die ein Einsatz von Sim City erfordert. Diese ist bei Oberstufenschülern, die nur über rudimentäre Computerkenntnisse verfügen (zur Zeit nach meinen Erfahrungen noch über 50%; bei den Schülerinnen über 80%), deutlich länger als bei Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 7 oder 8. Denn Schüler der Oberstufe trauen sich meist nicht zu experimentieren ("einfach herumklicken"), außerdem sind sie meist einseitig auf Abiturvorbereitung fixiert und empfinden Mißerfolge häufig nicht als Lernanreiz, sondern als (nicht für das Abitur verwertbare) Zeitverschwendung.

Bei der Gruppenarbeit wurde dieses Problem dadurch in den Hintergrund gedrängt, dass am Rechner jeweils nur die Schüler mit Computererfahrung arbeiteten, allerdings eben auch den Rest der Gruppe in eine Zuschauerrolle hineindrängten. Beim Einsatz von Sim City im Klassenverband (ein bis zwei Schüler pro Rechner) trat das Problem der mangelnden Computerbeherrschung aber um so deutlicher zu Tage. Dies wurde auch in der neuen Aufgabenstellung berücksichtigt. Sie sieht vor, dass die Schüler zuerst den Kern einer Schachbrettmusterstadt nach genauen Vorgaben anlegen und davon ausgehend versuchen, eine stabile Stadt zu entwerfen.
(Anmerkung des SimStadt Webmasters: Bei den Downloads ist als Beispiel die Stadt 'Schachbrett' zu finden.)

Selbst wenn die Schüler anhand der ausführlichen Anleitung im Aufgabenblatt mit dem Stadtaufbau beginnen, ist es sinnvoll, Ihnen zusätzlich eine kurze Einführung durch Übertragung des Lehrerbildschirms zu geben. (Das setzt voraus, dass ein System wie INIS oder PC Mastereye im Multimediaraum installiert ist.) Auch sollte man bei der Stundeneinteilung unbedingt darauf achten, dass noch genügend Zeit bleibt, Schülerergebnisse vorzuführen und an diesen den im Aufgabenblatt beschriebenen Stabilitätstest durchzuführen.

Wichtig: Der größere Zusammenhang

Computereinsatz ist im "normalen" Unterricht heute meistens noch derart rar, dass allein seine Durchführung schon einen hohen Motivationsfaktor darstellt. Diese Ausnahmestellung bringt allerdings auch unerwünscht „Seiteneffekte" mit sich. Zu diesen zählen bei einem Programm wie Sim City, dass selbst Oberstufenschüler leicht dazu verleitet werden, ihrem Spieltrieb freien Lauf zu lassen und jede Aufgabenstellung zu vergessen. Dann werden die verschiedenen Katastrophen (Überschwemmung, Wirbelsturm etc.) durchprobiert, auch wenn man noch keineswegs verstanden hat, wie die Stadt überhaupt als System funktioniert. Dies bringt es mit sich, dass auch bei einem Einsatz des Simulationsprogramms in der Oberstufe, die Aufgabenstellungen vergleichsweise kleinschrittig und genau vorliegen müssen. Es gehört dann zu den vorrangigen Aufgaben des Lehrers, die erzielten Beobachtungen und Erkenntnisse in einen größeren Zusammenhang zu stellen.

Grundlegende, aber bescheidene Anfänge systemischen Denkens

Sim City setzt eigentlich grundsätzliche Kenntnisse im Systemdenken bereits voraus. Meine Erfahrungen zeigen aber, dass solche systematischen Kenntnisse - obwohl sie mehrfach im Lehrplan des Gymnasiums verankert sind - auch bei Schülern der Oberstufe nicht vorausgesetzt werden können. Dies bedeutet z.B., dass ein quantitatives nachvollziehen der Simulationsläufe weitgehend ausgeschlossen ist und man sich mit vergleichsweise grundlegenden Einsichten in bestimmte Wirkungszusammenhänge zufrieden geben muss. Es bedeutet gleichfalls, dass viele Rückkoppelungsvoränge (etwa in den Bereichen Umwelt/Lebensqualität oder ressourcenschonender Einsatz von Infrastruktur) nicht als unter systemtheoretischen, sondern nur unter kausalen Gesichtspunkten besprochen werden können. Hier, wie sooft im Unterrichtseinsatz von modernen Computer- und Simulationstechniken muss aber gelten, dass auch Rom nicht an einem Tag erbaut wurde.Um tatsächlich ein Gefühl für systemische und nicht nur singuläre Ursache-Wirkungszusammenhänge veritteln zu können, planen wir im schulinternen Curriculum, sich schon früher mit diesem Thememkreis auseinanderzusetzen.
Text: Dr. Thomas Friese / Landesinstitut für Schule und Weiterbidlung NRW - Lizenz: Proprietaer