Menü Rosen am Nil.
Im Grabmal sitzt die Königin,
Kleopatra, die schimmernde,
Erlosch'ne Tränen zittern hin
Die Wange ihr, die flimmernde.
Zu ihren Füßen duften Rosen
Aus goldnem Korbgeflecht empor, -
Die beben, heben sich und kosen,
Es rauscht darunter, wie von losen
Lenzgeistern ein versteckter Chor.

Es raschelt lauter, zischt und faucht
Und ringelt züngelnd sich empor,
Und aus der Rosenbrandstatt taucht
Ein feuchter Schlangenkopf hervor.
Die Herrin aber lächelt düster,
Sie denkt an Marc Antonius,
An ihrer Götterfeste Rüster,
Der ihr für jedes Liebsgeflüster
Provinzen gab und jeden Kuß.

Nun modert die Verschwenderhand!
Octavius naht, der sie zerbrach,
Und Boten hat sie hingesandt:
Ob er ihr Kronen gibt, ob Schmach.
Dort kehrt ihr Sklav' und spricht mit Zittern:
"Da ihm dein Gruß verkündet ward,
Umzuckt es kalt den Mund, den bittern,
Er schwieg, doch in der Stirn Gewittern
Las ich, welch Schicksal deiner harrt."

"Und welches?" ruft sie. "Doch genug,
Hier kehrt der Adler Romas ein,
Daß ihm zu neuem Siegesflug
Phta's Schätze neue Schwingen leihn.
O Habgier, - doch ich will mich lösen,
Wie nie ein König noch getan!
Rauch wirble, nur statt Tiergekrösen
Schleppt unter Huldigungsgetösen
Ihr Hekatomben Gold heran!

Wohl weiß er es, daß ich es war,
Die ich dem Occident zum Hohn
Sein Rom wohl zweimal trug im Haar
An einem Feste des Anton, - -
Was aber ist dir, Mann, welch Schrecken
Würgt unaussprechbar dir im Mund?
Was seh ich dich die Hände strecken?
Sei ruhig, Sklav', du kannst's entdecken,
Nicht schlacht' ich dich, tu' alles kund!

Ist es mein Tod, den er verhieß?
Will meine Lösung er und mich?
Nachtsendling, du, - noch mehr als dies?
Hah, ich versteh, - nun, Erde, brich!
Dem Sieger mit der bronz'nen Stirne
Als Spolie wär' ich ihm genehm?!
Ich, aufgeschürzt wie eine Dirne,
Ob dem von Schmach zerfress'nen Hirne
Der Pharaonen Diadem?!

Mich im Triumph, vor der Stirn
Der Osten preßte in den Sand, -
Beim Nil, das richt'ge Rom-Gehirn,
Darin der Römer-Plan entstand!
Die Hand in Ketten, die zu küssen
Cäsar, der Halbgott, zog heran,
Und deren Schimmer zu versüßen
Mir ein Arabien trug zu Füßen
Antonius, mein brünst'ger Schwan!

Wahnwitz! Du aber sei getrost,
Den ich vor Furcht dort schlottern seh, -
Nicht sprach, was mehr als Todes-Post,
Dein Mund, - den Ring hier nimm und geh!"
Der Sklave staunt und staunet wieder;
Sie aber starrt, die Brust geschwellt,
Zum Rosen-Scheiterhaufen nieder,
Des Abglanz durch gesenkte Lider
Ihr flammt, als brenne eine Welt.

Sie hebt die Hand: "Ihr Könige,
Aus Felsengräbern steigt herauf,
Von Memphis bis nach Meroe
Ihr Pyramiden tut euch auf!
Der Opfer hehrstes zu empfangen,
Urheil'ge Schatten, strömt herbei,
Mit Rosen selbst noch auf den Wangen,
Soll dennoch es in Rosen prangen,
Damit es zweifach reizend sei!"

Sie ruft es, und es sprüht ihr Blick,
Als sei, die doch für immer ging,
Die Zeit noch, da ein Weltgeschick
Am Zucken dieser Wimper hing.
Ein Sieger vor dem Schlußgefechte
Bebt sie in graungemischter Lust, -
Nun faßt die königliche Rechte,
Szepter-gewohnt, das Goldgeflechte
Und preßt es krampfhaft an die Brust.

Und jene Brust, auf der entflammt
Ein Cäsar Siege einst versäumt,
Auf deren lilienblassem Samt
Anton sein Drittel Rom verträumt,
Sie wird zum Pfühle grüner Schlangen, -
Biß dringt um Biß zum Herzen vor, -
Und schon erlischt in diesen Wangen,
In dieses Blicks gebroch'nem Prangen
Des Orientes Meteor.
Text: Udo Brachvogel - Lizenz: Public Domain